— TECHNIK IM DETAIL
RTLS in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen
Die Wahl des richtigen Indoor-Ortungssystems (RTLS – Real-Time Location System) für Krankenhäuser, Pflegeheime und Psychiatrien ist ein komplexer Prozess. Es gibt keine einzelne "beste" RTLS-Lösung – die optimale Technologie hängt von den spezifischen Anforderungen Ihrer Einrichtung ab.
Was ist ein RTLS (Real-Time Location System)?
Ein RTLS ist ein System zur Echtzeit-Ortung von Personen oder Objekten innerhalb eines Gebäudes. In Krankenhäusern, Pflegeheimen und Psychiatrien wird es eingesetzt, um Patienten, Bewohner, Personal und medizinische Geräte zu lokalisieren und bei Bedarf automatisch Alarme auszulösen – etwa bei Weglaufgefahr, Notruf oder unbefugter Entfernung eines Geräts.
Auswahlkriterien für Indoor-Ortungssysteme
Folgende Faktoren spielen bei der Wahl eines RTLS-Systems eine zentrale Rolle:
Umgebungsstabilität
Unter Laborbedingungen ist die Ortung stets unkompliziert. Schwieriger wird es, wenn sich die Umgebung durch bewegte Geräte und Personen ständig verändert.
Zweck der Ortung
Beim Schutz einer Person mittels Ortungssystem müssen andere Faktoren berücksichtigt werden als bei der Minimierung des Suchaufwands für Geräte.
Genauigkeitsanforderungen
Auch wenn viele Hersteller sich gegenseitig bei der Millimeter-genauen Ortung übertreffen wollen – das ist nur in wenigen Fällen tatsächlich relevant.
Vergleich unterschiedlicher Ortungstechnologien
Es gibt eine Vielzahl an Ansätzen für Indoor-Ortung. Jede Lösung hat eigene Vor- und Nachteile – gerade beim Indoor-Tracking gibt es keine Universallösung.
Funktionsweise: Ortung über Bluetooth durch Messung der Signalstärke an vorhandenen Bluetooth-Access-Points.
Vorteil: Bestehende Bluetooth-Infrastruktur kann genutzt werden.
Nachteil: Access-Point-Hersteller verlangen oft hohe Lizenzgebühren, und es werden sehr viele Access Points benötigt. Bluetooth wird durch den Körper vollständig abgeschirmt und durchdringt ihn nicht – daher nicht zwingend als reine Indoor-Ortungslösung geeignet.
Funktionsweise: Batteriebetriebene Bluetooth-Sender werden an der Wand montiert und übertragen die Position an das mobile Gerät. Das Gerät kann so seine eigene Position bestimmen und auch für Indoor-Navigation genutzt werden.
Vorteil: Kostengünstige Installation.
Nachteile: Batterien müssen regelmäßig gewechselt werden – höhere Wartungskosten. Höherer Energieverbrauch bei mobilen Geräten macht die Nutzbarkeit stark vom Energiemanagement abhängig. Beim Smartphone lädt der Nutzer selbst regelmäßig – bei einem Armband für Patienten lässt sich das nicht zuverlässig sicherstellen. Ladeverwaltung durch Pflegepersonal wird meist abgelehnt, da sie Mehraufwand bedeutet und den Nutzen der vereinfachten Suche deutlich reduziert.
Funktionsweise: Ortung per WLAN-Triangulation über WLAN-Access-Points.
Nachteile: Funktioniert analog zur BLE-Triangulation – das Signal durchdringt den Körper nicht. Für gute Abdeckung sind rund dreimal so viele Access Points nötig wie für die reine Kommunikation. Access-Point-Hersteller verlangen häufig hohe Lizenzgebühren für die Nutzung der Ortungsdaten.
Vorteil: Extrem präzise Ortung, bis auf den Millimeter genau.
Nachteile: Relativ hoher Energieverbrauch des georteten Geräts, entsprechend kurze Batterielaufzeit. Schließt Lösungen aus, bei denen Personal wiederholt Geräte aufladen oder Batterien wechseln müsste. Alternative wäre ein größerer Tracker – dann lassen sich aber weder Personen noch größere Geräte mehr sinnvoll tracken.
Vorteil: Keine Tracker an den Geräten nötig.
Nachteile: Setzt voraus, dass durchgängige Kameraüberwachung akzeptiert wird – in Krankenhäusern oder Pflegeheimen in der Regel nicht der Fall. Setzt eine relativ stabile Umgebung ohne starke Verdeckungen voraus. Zu ortende Geräte dürfen sich nicht zu ähnlich sehen, und die Abdeckung muss lückenlos sein.
Funktionsweise: Passive RFID-Tags werden von Lesegeräten erkannt – wie bei aktivem RFID nur lokal, daher ebenfalls ein Proximity-Tracking-Ansatz.
Vorteile: Sehr klein herstellbar. Sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, auch als Einwegprodukt einsetzbar.
Nachteil: Ortung nur über lokale Lesegeräte möglich (Proximity Tracking).
Funktionsweise: Manche Anbieter kombinieren, ähnlich wie Care2Graph, RFID und Infrarot. Das mobile Gerät sendet oder empfängt ein Infrarotsignal von fest installierten Geräten, um die eigene Position zu bestimmen. Da das Infrarotsignal im Raum bleibt, ist raumgenaue Positionierung möglich.
Vorteile: Raumgenaue Ortung. Relativ geringer Energieverbrauch mobiler Geräte, dadurch kein übermäßiger Personalaufwand durch Energiemanagement.
Nachteile: Wenig verbreitete Technologie, schließt die meisten Smart Devices aus – nur spezielle Tracker sind ortbar. Mit Bluetooth lassen sich zusätzlich auch Smartphones und Tablets über die entsprechende App orten.
Die Care2Graph-Lösung von Martin.Care
Anforderungen im Gesundheitswesen
In Krankenhäusern, Pflegeheimen, Psychiatrien etc. wird Ortung in der Regel nur raumgenau benötigt. Millimetergenaue Ortung bietet keinen relevanten Mehrwert für die Prozessoptimierung – entscheidend ist, in welchem Raum sich ein Gerät oder eine Person befindet. Gleichzeitig besteht Bedarf an Systemen, die auch Smart Devices orten können, etwa um Pflegedokumentation standortbezogen zu unterstützen oder eine Navigation per Smartphone im Gebäude zu ermöglichen.
Kombination der Technologien
Deshalb setzt das Martin.Care-System auf:
1. Bluetooth-Proximity-Tracking als Basisortung
Mobile Geräte fungieren als Beacons, und Geräte mit fester Stromversorgung können zur Positionierung genutzt werden.
2. Aktives RFID an kritischen Punkten
Da Bluetooth durch Körperabschattung nicht zuverlässig genug ist, kommt an Positionen, wo ein Alarm oder eine Schaltung ausgelöst werden soll, zusätzlich aktives RFID zum Einsatz.
3. Sub-GHz-Funk für die Kommunikation
Für die zuverlässige Übertragung von Position und Alarm wird eine Sub-GHz-Frequenz genutzt – bessere Gebäudedurchdringung als WLAN oder Bluetooth, trotzdem verschlüsselbar.
Referenzen: Über 2.500 installierte Systeme in Krankenhäusern, Pflegeheimen und Psychiatrien.
Wettbewerbsvergleich: Ansätze am Markt
Am Markt verbreitete Ortungs- und Rufsysteme setzen häufig auf eine einzelne Technologie statt auf eine Kombination. Das hat in der Praxis spürbare Konsequenzen:
Fest verdrahtete Rufsysteme mit reiner Bettplatz-Erkennung
Viele klassische Rufsysteme erkennen ausschließlich Rufe am Bett. Sobald ein Bewohner oder Patient das Zimmer verlässt – auf dem Flur, im Bad, im Gemeinschaftsraum – ist kein Ruf mehr möglich. Für einen Großteil der Rufsituationen im Alltag ist das praxisfern, da Mobilität der rufenden Person nicht berücksichtigt wird.
Reine Bluetooth- oder WLAN-Ortungssysteme
Systeme, die ausschließlich auf Bluetooth oder WLAN setzen, stoßen an Grenzen, sobald Signale durch den menschlichen Körper abgeschirmt werden – gerade bei sicherheitskritischen Alarmen (z. B. Weglaufschutz, Notruf) ein relevantes Risiko. Zusätzlich verlangen viele Access-Point-Hersteller Lizenzgebühren für die Nutzung von Ortungsdaten.
Care2Graph begegnet diesen Einschränkungen durch die Kombination von BLE, aktivem RFID und Sub-GHz-Funk: mobile Rufmöglichkeit unabhängig vom Aufenthaltsort, zuverlässige Alarmübertragung auch bei Körperabschattung, und keine Abhängigkeit von lizenzpflichtiger Fremdinfrastruktur.
Hardware-Überwachung
Ein Ortungs- und Alarmsystem ist nur so zuverlässig wie seine Infrastruktur. Care2Graph überwacht deshalb kontinuierlich den technischen Zustand aller installierten Geräte:
Heartbeat-Überwachung
Alle installierten Geräte senden alle 30 Sekunden ein Heartbeat-Signal, das dem System ihre Funktionsfähigkeit bestätigt. Bleibt dieses Signal aus, erkennt das System einen Ausfall automatisch – der Alarmschwellwert ist dabei individuell konfigurierbar.
Batterieüberwachung
Alle mobilen Tags und Tracker senden regelmäßig ihren Batteriestatus. So werden niedrige Ladestände frühzeitig erkannt, bevor ein Gerät ausfällt – statt erst im Ernstfall festzustellen, dass ein Tag nicht mehr funktioniert.
Diese doppelte Überwachungsebene – Funktionsfähigkeit und Energieversorgung – stellt sicher, dass technische Ausfälle nicht unbemerkt bleiben, sondern selbst zum Alarmthema werden.
DIN VDE 0834: Status und Einordnung
Die DIN VDE 0834 ist eine deutsche Norm für Alarmierungsanlagen in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Für sie existiert derzeit kein direktes internationales Äquivalent. Martin.Care hält aktuell keine DIN VDE 0834-Zertifizierung.
Wir befassen uns aktiv mit der Frage der funktionalen Sicherheitsäquivalenz unseres Systems zu den Anforderungen der Norm und stehen dazu im Austausch mit Sachverständigen. Eine überarbeitete Fassung der Norm wird erwartet; wir beobachten diese Entwicklung und passen unsere Einordnung entsprechend an.
Wenn die DIN VDE 0834-Zertifizierung für Ihre Beschaffung ein Entscheidungskriterium ist, sprechen Sie uns direkt an – wir informieren Sie transparent über den aktuellen Stand und die technischen Hintergründe.
Entscheidungshilfe
| Anwendungsfall | Technologie Empfehlung | Begründung |
|---|---|---|
| Weglaufschutz für Demenzkranke | Ortung: Aktives RFID Kommunikation: Sub-GHz |
Zuverlässigkeit bei Körperabschattung |
| Mobiler Pflegeruf mit Ortung | Ortung: Bluetooth Low Energy Kommunikation: Sub-GHz |
Sub-GHz sichert die Zuverlässigkeit der Rufübermittlung; die Ortung erfolgt über BLE. |
| Personalnotruf mit Ortung | Ortung: Bluetooth Low Energy Kommunikation: Sub-GHz |
— |
| Größere Medizingeräte | Ortung: Bluetooth Low Energy Kommunikation: Sub-GHz / Bluetooth |
Geräte wie Betten lassen sich über BLE einfach Tracken. |
| Diebstahlschutz für größere Medizingeräte | Ortung: Aktives RFID Kommunikation: Sub-GHz |
Zuverlässigkeit bei der Alarmierung am Ausgang – diese Geräte haben meist auch einen hohen Anschaffungswert. |
| Kleine Medizingeräte | Ortung/Kommunikation: Passives RFID | — |
| Disposables und Kleidung | Ortung/Kommunikation: Passives RFID | Da es sich um Einwegartikel handelt, ist der Preis des Tags maßgeblich. |
| Geräte, die mit Hitze desinfiziert werden | Ortung/Kommunikation: Passives RFID | Die meisten Akkus/Batterien vertragen die Desinfektionstemperatur nicht – eine batterielose Technologie ist daher die beste Wahl. |
Häufige Fragen
Was ist ein RTLS (Real-Time Location System)?
Ein RTLS ist ein System zur Echtzeit-Ortung von Personen oder Objekten innerhalb eines Gebäudes. In Krankenhäusern, Pflegeheimen und Psychiatrien wird es eingesetzt, um Patienten, Bewohner, Personal und medizinische Geräte zu lokalisieren und bei Bedarf Alarme auszulösen.
Was ist der Unterschied zwischen BLE und aktivem RFID?
BLE eignet sich für energiesparende Basisortung, wird aber durch den menschlichen Körper abgeschirmt. Aktives RFID durchdringt Körperabschattung zuverlässiger und wird deshalb an kritischen Punkten eingesetzt, etwa für Weglaufschutz oder Diebstahlalarme.
Warum nutzt Care2Graph mehrere Funktechnologien gleichzeitig?
Care2Graph kombiniert BLE für die Basisortung, aktives RFID für sicherheitskritische Positionen und Sub-GHz-Funk für die zuverlässige Kommunikation. Diese Kombination vermeidet die Schwächen einzelner Technologien.
Ist Care2Graph DIN VDE 0834-zertifiziert?
Martin.Care hält aktuell keine DIN VDE 0834-Zertifizierung. Für diese Norm existiert kein internationales Äquivalent. Martin.Care prüft aktiv die funktionale Sicherheitsäquivalenz im Austausch mit Sachverständigen.
Wie überwacht Care2Graph die eigene Systemzuverlässigkeit?
Alle installierten Geräte senden alle 30 Sekunden ein Heartbeat-Signal zur Funktionsüberwachung sowie regelmäßige Batteriestatus-Updates. So werden Ausfälle erkannt, bevor ein Gerät tatsächlich ausfällt.
Welche Technologie passt zu Ihrer Einrichtung?
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